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Über das Projekt

Am Beispiel der griechisch-kirchenslavischen Übersetzungen und kirchenslavischer Originaltexte im ost- und südosteuropäischen Raum werden exemplarisch diachrone und regionale Differenzierungen der Sprache Kirchenslavisch untersucht, die trotz der wissenschaftlichen Unangemessenheit dieses Vergleichs oftmals als „Latein des Ostens“ bezeichnet wird. Ziel des Projekts ist es, mit Hilfe modernster, zum Teil noch zu entwickelnder Computertechnologie Analysewerkzeuge (kirchenslavische Tools in TextGrid), einen Index und ein zweisprachiges Online-Wörterbuch für die Erforschung graphischer und lexikalischer Variabilität des Kirchenslavischen in seiner zeitlichen und räumlichen Entwicklung zu erstellen. Dies wird in Zukunft eine zeitliche und räumliche Zuordnung bisher unerforschter Texte beziehungsweise Handschriften erleichtern.

Im Mittelpunkt stehen zwei Parameter: zum einen der Wortschatz, dessen chronologische und regionale Differenziertheit in allen historisch arbeitenden Philologien anerkannt ist, zum anderen die graphische Variabilität. Letztere ist ein typisches Merkmal mittelalterlicher Texte und wird hier zum ersten Mal zur computergestützten zeitlichen und räumlichen Einordnung der betreffenden Texte und Handschriften herangezogen. Als Quellen dienen überwiegend bereits edierte, digital vorhandene griechisch-slavische mittelalterliche Glossare, daneben auch einsprachige slavische Formenverzeichnisse und Editionen kirchenslavischer Texte, die entsprechend lemmatisiert werden. Für letztere werden Indices mittels entsprechender Tools (z. B. Lemmatisierer) automatisch erstellt. Die dabei entwickelten Instrumente können prinzipiell für alle historisch arbeitenden Philologien eingesetzt werden und berücksichtigen die hohe Variabilität mittelalterlicher Texte.

Als technische Infrastruktur wird TextGrid genutzt, welche Werkzeuge enthält, die für die methodologische Realisierung äußerst nützlich sind. Umfangreiche Module wurden für die Analyse und Lemmatisierung deutschsprachiger Texte entwickelt. Für die Anwendung auf die altgriechische und kirchenslavische Sprache müssen Algorithmen angepasst oder ausgetauscht werden. Dadurch erfährt TextGrid eine wesentliche qualitative Erweiterung:

Die angewandten Verfahren werden auch für nicht-slavistische Geisteswissenschaften offen zugänglich gemacht, was zu einer stärkeren Vernetzung vor allem zwischen den Philologien beitragen wird. Darüber hinaus werden neue Impulse für eine engere Zusammenarbeit zwischen Informatikern und Vertretern unterschiedlicher Philologien, darunter Slavisten, gegeben.